hasenjagd – Sid's prosaisches Lauftagebuch
ANNAKRAM e. V. ist Wortpate für „Anagramm“
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18.11.2017, 18:00 Uhr, Erfurt, Saal der SAV GmbH, Magdeburger Allee 81-83 – Karte...


Theater im Norden: „Ein Stall voll Säue“

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. So zumindest die Legende, denn in der Literatur wird die Glaubwürdigkeit dieser Tat angezweifelt. Unstrittig ist jedoch, dass Luther die Reformationsbewegung aus­löste. Damit schrieb er Geschichte. Weltgeschichte. Am 31. Oktober wird deshalb auch ihm zu Ehren deutschlandweit der Reformationstag gefeiert.


Martin Luther hat die Bibel ins Deutsche übersetzt.
Ein Mythos ist jedoch, dass das einfache Volk erst dadurch Zugang zur Heiligen Schrift fand. Über­setzungen von Bibeltexten in die Spra­che der einfa­chen Menschen entstanden bereits 250 Jahre vor Christus. Allein 72 deutschsprachige Übersetzungen sind aus der Zeit vor Martin Luther bekannt.


Doch nicht nur diese Irrtümer werfen Fragen auf, auch Luthers Äußerungen über Frauen, Andersdenkende, Juden und Unterdrückte sind zum Teil äußerst widersprüchlich. Wohl­wollend ausgedrückt. Und dennoch scheint Luther über jede Kritik erhaben. Vor etwa
200 Jahren resümierte Heinrich Heine: „Ruhm dem Luther! Ewiger Ruhm dem teuren
Mann, dem wir die Rettung unserer edelsten Güter verdanken, und von dessen Wohltaten
wir noch heute leben! Es ziemt uns wenig, über die Beschränktheit seiner Ansichten zu klagen. Der Zwerg, der auf den Schultern des Riesen steht, kann freilich weiter schauen
als dieser selbst, besonders wenn er eine Brille aufgesetzt“. Diese Ansicht scheint auch heute noch Konsens zu sein. Zwar werden mittlerweile über Experten- und Sachver­ständi­gen­kreise hinaus, auch seine nicht so vorzeigbaren „Thesen“ diskutiert, doch die fast kultische Verehrung Luthers hat an nichts eingebüßt.


Längst ist Martin Luther auch ein Wirtschaftsfaktor. Der Luthertourismus boomt (vor allem in diesem Jahr). Da wurde einiges investiert. Es wurden Lutherstätten aufgemöbelt, Luther­wan­derwege ausgeschildert und Lutherandenken produziert. Auch das ultimative Luther­sing­spiel durfte nicht fehlen.


Am Denkmal wackeln kann das Geschäft vermiesen. Gut, für diese Aussage fehlen uns die Belege. Für die Zitate Luthers, die in dem Theaterstück „Ein Stall voll Säue“ zu hören sind, haben wir diese jedoch. Da wurde nichts verfälscht oder dazugedichtet.


Kurz zum Inhalt:
Jörg Junker, ein kluger junger Mann, beteiligt sich beim hiesigen Lutherausscheid. In der Endrunde plagen ihn plötzlich Wissenslücken. Es sieht nicht gut aus. In der Not erscheint ihm der große Reformator und bietet seine Hilfe an. Für den Sieg verlangt er lediglich, dass Junker Luthers Worte zu seinen eigenen mache.



 
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