hasenjagd – Sid's prosaisches Lauftagebuch
ANNAKRAM e. V. ist Wortpate für „Anagramm“
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Thüringer Allgemeine, 1.11.2012, schreibt:


KLARTEXT:

Bewegender Einsatz

Die Bühne haben die Mitglieder der Kleinkunstbrigade Annakram längst für sich entdeckt und auf andere Ebenen ausgeweitet. Laufend und helfen ist ein noch junges Projekt, das dem Vereinsnamen im wahrsten Wortsinn gerecht wird

Von Steffen Ess

Erfurt. Aus Charles Bukowski lesen sie am Freitagabend. Unterm Zeichen „Giftgrün”, steht ihr szenisches Theater am Tag darauf. Während der Kunsttage in der Frommen Helene sind die Mitglieder der Kleinkunstbrigade Annakram in ihrem Element. Gewissermaßen im Element B, – etwa für Bühne, doch ist das Ensemble bei weitem mehr als nur dort aktiv.

Ein Verein für Kunst, für Bewegung und soziales Engagement. So nennt sich die zwölfköpfige Kleinkunstbrigade. Die Betonung scheint zurzeit besonders auf Bewegung zu liegen.

„Laufend helfen”, nennt sich das jüngste Projekt Annakrams. Es stammt wie so oft aus der Feder von Frontmann Sigurd Reisener und gleicht unbewusst dem des Sinzheimer Ehepaars Brigitte und Rudolf Mahlburg, das seit Jahren unter dem gleichen Motto Spenden für behinderte Kinder erlaufen.

Dass die badischen Ultraläufer jährlich auf jeweils rund 3500 Kilometer kommen, stellt eine andere Dimension als bei den Erfurtern dar. Als Hobbyläufer und Einsteiger haben sie beim Silvesterlauf 2010 ihre Aktion gestartet, die sich dennoch nicht dahinter zu verstecken braucht.

„Wir laufen einerseits gerne”, meint Initiator Sigurd Reisener, „und können so andererseits der ganzen Sache noch ein Ziel geben. Und Probleme gibt es ja genügend”, erklärt der 49-Jährige, der sich mit seinen Mitgliedern neben der Vorliebe für starke Worte seit einigen Jahren sozial einsetzt. Die Thüringisch-Kambodschanische Gesellschaft (TKG) etwa, der seit 2007 unter anderem der Erlös des Kleinfeld-Fußballturniers um den Pokal der ehrenamtlichen Kulturarbeiter zugute kommt, ist eine Herzensangelegenheit. Das Laufen ist selber auch. Und nicht nur für Sigurd Reisener, der einen Teil seiner Mitglieder ebenfalls dafür begeistern konnte, Freunde und Bekannte aber genauso immer wieder mit ins Boot holt, um so viele Kilometer wie möglich zu erlaufen. Jeder wird durch Unterstützer Wilfried Wolf mit einem Euro vergütet.

Dass der Zuspruch in diesem Jahr größer als in den vergangenen Jahren ist, macht den Verein nicht nur stolz. Es passt zum 15-jährigen Bestehen der Kleinkunstbrigade, die seit Jahresbeginn bei Volksläufen teilnimmt, um für ihre Aktion zu sammeln.

Berlin, Leipzig und Heidelberg sind die Auftakt-Stationen gewesen. Den Rennsteigstaffellauf haben die Männer und Frauen um „Sid” ebenfalls in Angriff genommen, mit gut einem halben Dutzend Teilnehmern auch den Erfurter Nachtlauf. Und sie haben sich vor wenigen Tagen erstmals auch beim „Bergen Marathonkarusellen” erstmals auch auf internationales Terrain begeben.

In der regenreichsten Stadt Europas hätten die fünf Erfurter fast erwartet eher Schirme gebraucht als Getränke auf dem Hin- und Herkurs, strahlten aber am Ende umso mehr in den wolkenverhangenen norwegischen Himmel. Obgleich die Erfurter wegen Krankheit nur zu fünft statt zu sechst antreten konnten, meisterten sie ihre Strecken und erliefen durch Friederike Stratmann, Simone Perec, André Beck, Michael Mieth sowie durch Sigurd Reisener 126 Kilometer. „Kein schlechter Beitrag”, findet der. Durchkommen hieß wie meist das oberste Ziel. „Wir wollen keine Bäume ausreißen und ein bisschen Spaß haben”, meint der Berufsschullehrer, der auch erst vor wenigen Jahren mit dem Laufen begonnen und seit Bergen seinen fünften Marathon gemeistert hat. Wie stets nahe der Schmerzgrenze, die für Sponsor Wilfried Wolf die in diesem Jahr erlaufenen gut 800 Kilometer jedoch keineswegs darstellen.

„Einen Tausender habe ich eingeplant”, sagt der Unternehmer. „Hauptsache ich muss nicht mitlaufen”, fügt er mit einem Augenzwinkern an, rechnet den Hobbyläufern das stolze Ergebnis allerdings schon jetzt hoch an.

Es besitzt noch Luft nacht oben. Beim Erfurter Silvesterlauf werden die Annakram-Mitglieder am 31. noch einmal die Laufschuhe schnüren. Und vielleicht die Tausend voll machen?

Schön wäre es. Aber eine glatte Zahl? Die erschien Sigurd Reisener bei aller Liebe für die Kunst zu künstlich. Ein unrundes Ergebnis mache authentisch. So, wie sich die Kleinkunstbrigade in ihren Elementen auch darstellt.


Bild 1:

Friederike Stratmann, André Beck, Michael Mieth, Simone Perec und Sigurd Reisener (v.l.) erliefen in Bergen weitere 126 Kilometer für ihre Aktion. Foto: privat



 
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