hasenjagd – Sid's prosaisches Lauftagebuch
ANNAKRAM e. V. ist Wortpate für „Anagramm“
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Thüringer Landeszeitung, 28.11.2014, schreibt:


KLARTEXT:

Wenn die Diva mit dem Kommissar...

Verein für Kunst, Bewegung und soziales Engagement „Anna Kram“
wartet beim Theater im Norden mit Kriminal-Groteske auf

Die Brüder Heiko und Sigurd Reisener (r.) lüften den Vorhang für die neue Inszenierung nur einen Spalt. Über den Verein selbst weiß Sigurd Reisener eine Menge zu erzählen. Foto: Heidrun Lehmann Die Brüder Heiko und Sigurd Reisener (r.) lüften den Vorhang für die neue Inszenierung nur einen Spalt. Über den Verein selbst weiß Sigurd Reisener eine Menge zu erzählen. Foto: Heidrun Lehmann



Von Heidrun Lehmann

ILVERSGEHOFEN. Anlass zur Heiterkeit bietet die Ermordung der Sängerin Babsi eigentlich nicht. Wenn sich Besucher des Theaters im Norden in der Magdeburger Allee 83 dennoch auf amüsante und unterhaltsame Szenenfolgen freuen dürfen, dann ist das Sigurd Reisener zu verdanken, der seine spitze Feder zückte.

„Das Sein ist instabil“ nannte der Vorsitzende des Vereins "Anna Kram" das Stück um die Diva und einen Kommissar, der eher zufällig auf die Spur einer Intrige stößt. Als Kriminal-Groteske dürfte die Mischung aus Videosequenzen, Animation, Musik und zuweilen skurril wirkendem Schauspiel wohl eher zu benennen sein, obwohl sich das Genre, wie bei früheren Inszenierungen, schlecht in eine Schublade pressen lässt. Wie beim Theater üblich, lebe das Spiel vom Überspitzen eigentlich alltäglicher Situationen, wobei das Lachen, vor allem über sich selbst, nicht zu kurz kommen soll, verspricht Sigurd Reisener.

Der Lehrer an den St.-Elisabeth-Berufsbildenden Schulen – er unterrichtet künftige Altenpfleger in Soziologie, Recht, Berufskunde und Kommunikation – begann schon vor dem Studium mit dem Schreiben, zunächst mit Kurzgeschichten, wie er wissen ließ. Irgendwann reizte ihn dann das Verfassen von Theaterstücken mit gesellschaftskritischen Bezügen, die alles andere als bierernst daherkommen. Insbesondere durch den Wechsel der Perspektive erziele er seine sozialkritischen Aspekte, gab er eines seiner Geheimnisse preis. Offenen Auges durch die Welt zu gehen und Erlebtes in Geschichten zu gießen, bildet für den Berufsschullehrer eine Art Lebenselixier.

Dabei nimmt das Schreiben und Theaterspielen nur einen unter vielen Plätzen ein. Seinem Bewegungsdrang kommt Sigurd Reisener beispielsweise beim Marathon nach. Gemäß dem Motto des Vereins „Laufend helfen“ steht auch dabei die soziale Komponente im Vordergrund. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern von „Anna Kram“ unterstützt er die Erfurter Kinderkrebshilfe und das Kinderhospiz in Tambach-Dietharz.

Damit nicht genug. Das Engagement des Vereins reicht weit über Thüringen hinaus, bis nach Kambodscha. Dort erhalten Kinder armer Familien, die ihren Lebensunterhalt mit Müllsammeln bestreiten, Chancen auf Bildung, indem ein örtlicher Verein auf die Unterstützung der Erfurter zählen kann. Die Kontakte reichen gut zehn Jahre zurück, angebahnt durch den Fußballverein Blau-Weiß 52, der dort ein Benefiz-Turnier organisierte. Die weite Reise sollte durch künstlerische Akzente ergänzt werden, die von den Mitgliedern des seit 2004 eingetragenen Vereins „Anna Kram“ bestritten wurden. Fast jeder der damaligen Reiseteilnehmer sei mit einer Patenschaft zurückgekommen, ließ Sigurd Reisener wissen. Er selbst unterstützt noch heute sein Patenkind, einen Jungen aus Phnom Penh, der inzwischen zum Teenager herangewachsen sei und studiere.

Gefördert durch Lottomittel und weitere Sponsoren konnte der Verein für Kunst, Bewegung und soziales Engagement nun wiederum ein Theaterprojekt auf die Beine stellen. Die zehn Hobbyschauspieler aus dem Kreis des Vereins „Anna Kram“ im Alter zwischen 25 und 50 – Lehrer, Verwaltungsangestellte, Altenpfleger, Steinmetz – probten in den zurückliegenden acht Wochen in unterschiedlicher Besetzung beinahe täglich, um dem geneigten Publikum einen spannenden Abend zu bescheren. Musik von André Rauch und Guido Graichen untermalt das Geschehen. Die Videoeinspielungen von Sven Wachsmuth seien ursprünglich nicht geplant gewesen, hätten sich einfach im Verlauf der Arbeit, die vor etwa einem Jahr begann, ergeben, ergänzt der 51-Jährige, der im Theaterprojekt unter dem Pseudonym Sid Eisengurrer agiert.

Theater im Norden mit „Das Sein ist instabil“: 29. November und 6. Dezember, jeweils 20 Uhr, Magdeburger Allee 83; Text und Regie: Sid Eisengurrer



 
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